Geisterspiele, na und? Wie Spieler und Trainer darauf reagieren können!

Geisterspiele, na und?
Wie Spieler und Trainer darauf reagieren können!

 

DAZN Experte und Ex- Fußballprofi Ralph Gunesch, twitterte vor kurzem, dass Geisterspiele kacke sind und es für Mannschaften ganz schwer ist in den Pflichtspiel Modus zu kommen. Er meint, es fühlt sich eher wie ein Vorbereitungsspiel im Wintertrainingslager an.

Im Gegensatz dazu äußerte sich Jürgen Klopp eher positiv, indem er sagt „wir haben alle ohne Fans angefangen Fußball zu spielen, und wir haben dieses Spiel nicht wegen der Atmosphäre in einem Stadion geliebt.“

Es ist also alles eine Frage der Einstellung. Natürlich würden Fußballer lieber in einem vollen Stadion mit großartiger Atmosphäre spielen und die Stimmung genießen. Aber jeder entscheidet mit seinem persönlichen Mindset, wie er an die Sache heran geht. Ein leeres Stadion ist für die meisten ungewohnt, aber nicht völlig unbekannt. Auch Testspiele in Trainingslagern finden manchmal ohne Zuseher statt.
Spieler und Mannschaften, die sich vorab mit dieser Situation mental auseinandersetzen und sich darauf vorbereiten, werden klar im Vorteil sein!

Hans-Dieter Hermann, der Sportpsychologe der deutschen Fußballnationalmannschaft, unterscheidet grob zwischen vier Gruppen von Spielern. Die erste Gruppe braucht das Publikum und blüht erst so richtig auf, wenn die Atmosphäre da ist. Diese werden sich am Beginn mit leeren Stadien schwerer zurechtfinden. Für die zweite Gruppe wird es am Platz ungewohnt sein. Sie wird aber durch die anwesenden Medien und Kameras schnell in den Wettkampf Modus finden. Dann gibt es jene, die sowieso in jedem Trainingskick gewinnen wollen und unabhängig von den äußeren Bedingungen immer Vollgas geben und sich auf das Match fokussieren können. Und schlussendlich gibt es auch Spieler, die durch das leere Stadion weniger Druck empfinden und dadurch vielleicht sogar befreiter aufspielen.

 

Empfehlungen für Spieler

  • Mittels antrainierter Routinen können Spieler vor dem Anpfiff bewusst ihren optimalen Erregungszustand bestimmen. Dieser ist natürlich sehr individuell und kann von Spieler zu Spieler deutlich voneinander abweichen. Generell ist im Fußball aber ein mittelmäßiges bis hohes Erregungsniveau leistungsfördernd.
  • Durch gezielte Visualisierungsübungen kann der Sportler vor dem Match, diese für ihn ungewohnte Situation im Kopf durchspielen und sich gut darauf vorbereiten und einstellen. Prinzipiell sollten Fußballer in der Lage sein, äußere Einflüsse auszublenden. Wer das noch nicht so gut schafft, kann das üben.
  • Spieler, die ihre eigenen Selbstgespräche bewusst steuern können, werden sich leichter tun die Situation zu akzeptieren und ihren Fokus auf ihre Aufgaben lenken.

Generell werden Spieler, die sich bewusst mit ihren mentalen Fertigkeiten auseinandersetzen und diese ständig optimieren, einen großen Vorteil haben.

 

Empfehlungen für Trainer

  • Trainer sollten die Kommunikation innerhalb der Mannschaft anregen, um mögliche Befürchtungen offenkundig zu machen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.
  • Empfehlenswert ist es auch, dass Trainer gerade in dieser Phase ihren eigenen Coaching Stil reflektieren sollten, welche Art von Anweisungen sie im Match, bei geringer Lärmkulisse, geben. Verwenden sie eher Vermeidungsanweisungen (z.B. „Spiel nicht quer“) oder konkrete Handlungsanweisungen, die die Spieler auch verstehen und umsetzen können.

 

Gerade in dieser herausfordernden Zeit wäre es wichtig, dass im Trainer Team auch ein erfahrener Mentalcoach oder Sportpsychologe sitzt. Dieser kann sich in individueller Einzelarbeit mit den Spielern auseinandersetzen und hilfreiche mentale Techniken vermitteln. So kann der Trainer, entlastet werden und sich voll auf seine Arbeit konzentrieren.

 

Autor: Wolfgang Seidl

Titelbild: Wolfgang Seidl