Ausbildung bedeutet jede „Sensible Phase“ gezielt zu nützen!

Ausbildung bedeutet jede „Sensible Phase“ gezielt zu nützen!

 

Vor allem im Kinderfußball werden Ausbildungsstufen aus den unterschiedlichsten Gründen sehr oft übersprungen, ausgelassen oder manchmal sogar vertauscht und können in Folge leider nicht mehr kompensiert werden.

 

Diese Ausbildungsstufen lassen sich in 4 Bereiche mit unterschiedlichen Schwerpunkten bzw. „Sensiblen Phasen“ unterteilen und sollen als Orientierungshilfe dienen. Unter „Sensiblen Phasen“ versteht man Altersabschnitte, in denen man auf bestimmte, richtig gesetzte Reize eine größtmögliche Steigerung in gewissen Bereichen erzielen kann und bei falscher Reizsetzung kontraproduktiv agiert.

 

  1. Grundlagenausbildung – 6 Jahre und jünger:

Die Schwerpunkte dieses Bereiches liegen in der Entwicklung der motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, Beweglichkeit sowie Geschicklichkeit. Unterschiedliche Bälle, verschiedene Bewegungsaufgaben kombiniert mit einem polysportiven Angebot gehören zu den Inhalten der Spielstunden. Mit freiem Spielen wird die Freude am Fußball vermittelt. Dabei sollen die Kinder unter dem Motto „Ich und mein Ball“ möglichst viele Ballkontakte und Erfolgserlebnisse aller Art erleben dürfen. Das Grundprinzip des Fußballs soll vermittelt werden: „Tore schießen, Tore verhindern!“ –

 

  1. Grundlagentraining – 7 bis 9 Jahre

Nun liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Koordination, Wahrnehmung, Gewandtheit und Schnelligkeit. Diese werden vor allem in Spielformen mit geringer Spieleranzahl (1:1 bis 4:4 mit Überzahl/Unterzahl) und unterschiedlichen Wettkämpfen entwickelt. Es gilt die Kinder in den Spielformen kreativ und frei handeln zu lassen. Die Entwicklung der Spielintelligenz soll dadurch gefördert werden. Basistechniken wie Dribbling, Passspiel, Ballan- und -mitnahme sowie Torschuss sollen insbesondere in Spielformen mit unterschiedlichen Provokationsregeln alters- und kindgerecht trainiert werden.

 

  1. Aufbautraining – 10 bis 13 Jahre

In diesem Alter spricht man vom „Goldenen Lernalter“. Techniken werden sehr schnell erlernt und bereits angewandt. Der Fokus liegt dabei noch immer auf der Individualtaktik, jedoch kommen gruppentaktische Elemente hinzu. Aufgrund der einsetzenden Pubertät kommt vor allem in Puncto Athletik zu großen Entwicklungsunterschieden. Für Trainer gilt es nun genau hinzusehen und retardierte Kinder, sprich sogenannte „Spätentwickler“ weiterhin dementsprechend zu fördern.

 

  1. Leistungstraining – 14 bis 18 Jahre

War es bis jetzt so dass alle Spieler Erfahrungen auf unterschiedlichen Positionen sammeln konnten, kommt es nun zunehmend zu einer Spezialisierung. Positionsspezifische, gruppen- und mannschaftstaktische Trainings nehmen zu. Konditionelle Leistungsfaktoren werden nun nicht mehr nur in Spielformen, sondern auch spezifisch, isoliert und individuell trainiert.

 

Die Ausbildung junger Fußballer und Fußballerinnen sollte langfristig geplant, strukturiert und behutsam durchgeführt werden – Dabei sollte aber vor allem der Spaß niemals zu kurz kommen!

 

Autor: Thomas Raffl

Titelbild: Hans Oberländer